FALLSCHIRMJÄGER IM LOYALITÄTSKONFLIKT

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Ab Mitte der 1980er Jahre entwickelte sich das LStR-40 zum Vorzeigetruppenteil,  insbesondere für ausländische Militärdelegationen. Das FJB/LStR wurde in den 1980er Jahren mehrfach als „Bester Truppenteil“ durch den Minister für Nationale Verteidigung ausgezeichnet. Das Jahr 1989 brachte auch für die Fallschirmjäger der NVA unruhige Zeiten, und sie wurden Teil der politischen Veränderungen in der DDR. Im Zeitraum vom 14.-17. Oktober wurden drei Hundertschaften, gebildet aus dem Personalbestand des LStR, nach Leipzig verlegt.  Ziel war es offensichtlich, Fallschirmjäger zur Befriedung möglicher Unruhen einzusetzen.

Mit dieser fehlerhaften militärpolitischen Entscheidung wurden die Fallschirmjäger in schwere Loyalitätskonflikte geführt. Zu einem Einsatz kam es nicht, weil sich insbesondere verantwortliche Soldaten aller Ebenen besannen, dass sie Soldaten aus dem Volk waren. Gleichwohl erlebten die Elitesoldaten der NVA eine schwere Identitätskrise, in der sie ihren bisher geleisteten Dienst in Frage stellten. Besonders die älteren Dienstjahre waren nicht mehr bereit, ihren Dienst fortzusetzen und wurden entlassen.

Von 1989 bis zum 03.10.1990 wurde — trotz aller Schwierigkeiten — Ausbildung mit einem verkürzten Bestand durchgeführt. Die Fallschirmjäger wurden am 22. Juni 1990 neu vereidigt.  Am 03.10.1990 wurde der verbliebene Rest des Truppenteils in die Bundeswehr übernommen, am 30.06.1991 jedoch das LStR durch die Führung der Bundeswehr aufgelöst. Damit war eine fast 30-jährige Geschichte einer stolzen Truppe beendet worden.

Nicht wenige der Soldaten, Fähnriche, Offiziere und auch Zivilbeschäftigten verließen an diesem Tage mit Tränen in den Augen das Kasernentor und schritten in eine ungewisse Zukunft.