Chronik 69-73-1.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Besonderheit in der vorliegenden Chronik liegt im Zeitraum der Berichterstattung. Zusammengefasst wurde hier über die Jahre 1969 – 1973 berichtet. Interessant in jedem Falle, weil in diesem Berichtszeitraum nicht nur eine zweimalige Um-Unterstellung des FJB  von FJB-5  zu FJB-2 und schließlich zum FJB-40 erfolgte, sondern auch signifikante Strukturänderungen realisiert wurden.

Wir lesen in der Chronik der Jahre 1969 – 1973:

„Organisation und Aufbau“
Zitat : „…Entsprechend dem Befehl Nr. 138/69 des Ministers für Nationale Verteidigung vom 18.11.1969 VVS-Nr. A/123493 wurde mit Wirkung vom 01.12.1969 das FJB-5  aus dem Unterstellungsverhältnis des Chefs des Militärbezirks V* herausgelöst und dem Chef der Verwaltung Ausbildung des Ministeriums für Nationale Verteidigung unterstellt…“

Mit dem o.g. Befehl begann die Periode der unklaren Stellung des Truppenteils im Bestand der NVA, die sich bis zum Ende der Existenz des LStR-40 im Jahr 1990 fortsetzte.

Zitat : „…Gemäß Ziffern 2 und 3 des genannten Befehls verbleibt das FJB … wirtschaftlich dem Versorgungs-bereich II unterstellt und die Planung, Organisation der Mobilmachung hat weiterhin der Chef des Militärbezirk V zu gewährleisten… „

Nachfolgend in Kopie der damalige personelle Auffüllungstand im FJB mit Datum der Übergabe:

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Aus welchen Gründen diese Um-Unterstellung damals vollzogen wurde, dürfte heute schwer nachvollziehbar sein. Die damit gleichzeitig vollzogene Umstrukturierung sollte folgende Zielstellung erfüllen:

Zitat : „…Die Umstrukturierung des FJB-5 hatte zum Ziel, die Schlagkraft der Einsatzgruppen sowie die Beweglichkeit des Bataillons zu erhöhen…. „

Damals wurden je Fallschirmjäger-Kompanie sechs Einsatzgruppen in einer Stärke von 1/1/9 mit Doppelbewaffnung gebildet, so der Bericht weiter. Unter Doppelbewaffnung scheint offensichtlich die zusätzliche Ausrüstung der Truppe mit der Pistole M gemeint gewesen zu sein.

Die dargestellte Stärke würde voraussetzen, dass jede Einsatzgruppe durch einen Offizier geführt worden wäre. Hier handelt es sich offensichtlich um einen Fehler in der Darstellung oder eine damalige Planvorstellung.

Im Zuge dieser Umstellung wurde der bisherige Pionierzug zu einem Sprengtaucherzug umprofiliert. Die bereits vorhandenen Transportzüge wurden zusammen mit dem Versorgungszug zu einer Transport-Versorgungs-Kompanie (TV-Kp) umgebildet und dem StKRD unterstellt.

Wir lesen weiterhin:

Zitat : „…Die Nachrichten-Kompanie wurde gebildet und mit den Führungsmitteln (1) R-118 BM 3, mit ( 20) R-350 M, mit einem LFK – Bautrupp, einer Werkstatt ausgerüstet…. „

Damit bestand die Nachrichtenkompanie aus

–    dem Funkzug,
–    dem Nachrichtenzug und
–    der Werkstatt.

Dabei war der Funkzug der notwendigen Anzahl an EG-Funker angepasst worden.

Für den neu gebildeten Sprengtaucherzug wurden 15 Geräte “ Hydromat “ eingeführt.

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Die Chronik berichtet  weiter:

Zitat: „…Im Mai 1971 wurden 18 Soldaten im Grundwehrdienst einberufen und als Kraftfahrer und Köche ausgebildet und eingesetzt. Durch Untauglichkeit wurden vier Soldaten auf Zeit nach Ablauf ihres Grundwehrdienstes entpflichtet und entlassen. …“

Weiterhin wurden am Ende des Ausbildungsjahres 1970/71  21 Unteroffiziere und 110 Soldaten in die Reserve versetzt. Daneben war noch ein Offizier in die Reserve versetzt sowie vier Offiziere von der Offiziershochschule zuversetzt worden.

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Der Bericht weist weiterhin aus:

Zitat: „…Im Ausbildungsjahr 1971/72 wurden in Verwirk-lichung der Forderungen des Stellenplans und Ausrüstungsnachweises entscheidende Fortschritte erreicht …. „

Durch zusätzliche Einberufungen an Soldaten auf Zeit wurde erstmalig und auch vorübergehend ein 100%iger Auffüllungsstand erreicht. In diesem Jahr erhielt das Bataillon fünf Kfz des Typs W-50, 20 Geräte „Ida“ für den STZ sowie 300 Fallschirme des Typs RS-4/1 und RS-4/3 mit den dazu gehörigen Rettungsgeräten BE-7 (s. Kopie Seite 3).

Zitat: „…Dieser neue Schirmtyp (gemeint war der Schirm RS-4/3 – d.V.) brachte wesentlich verbesserte taktische Werte und konnte so unmittelbar zu der Erhöhung des Kampfwertes des Bataillons beitragen. …“

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Nach fast genau zwei Jahren wurde das FJB-2 erneut um-unterstellt und erhielt  die taktische Bezeichnung FJB-40.

Zitat : „…Mit der Bildung des Kommandos der Landstreitkräfte gemäß des Befehls Nr.127/72 des Ministers für Nationale Verteidigung wurde das FJB-2 mit Wirkung vom 09.11.1972 vom Stellvertreter des Ministers  und Chef Landstreitkräfte an den Stellvertreter des Chefs Landstreitkräfte und Chef  Ausbildung übergeben. …“

Hier liegt in der Chronik offensichtlich eine Fehlinterpretation von Befehlen vor: Das FJB-40 unterstand dem Chef der Landstreitkräfte! Die Dienstaufsicht über das Truppenteil übte jedoch sein Stellvertreter und Chef Ausbildung aus. Gleichzeitig war das FJB weiterhin wirtschaftlich dem MB V angegliedert.

Klaus-Dieter Krug

 

*Die Landstreitkräfte der DDR waren in zwei Militärbezirke unterteilt, MB V Nord und MB III Süd, die im Kriegsfall je eine Armee zu stellen hatten. Ab 1972 wurde daraus das Kommando Landstreitkräfte, das die Militärbezirke als Ausbildungskommando ablöste.

Quelle der Zitate und Auszüge:
Bundesarchiv Freiburg, Abteilung Militärarchiv
BAF DVH 8-2/30772